Wie das Internet unser Leben beherrscht

05:30 läutet der Wecker.

Flugmodus aus (bin ganz stolz, dass ich es schaffe, dass Handy in der Nacht völlig von der Internetwelt zu trennen)

Die ersten Whatsapp Nachrichten trudeln ein, E-Mails mit ach so wichtigen Newsletter von unzähligen Fotografen aus Amerika trudeln ein (Oh Gott, wann lese ich die alle?!)

iMessage Nachrichten kommen durch und die rote Zahl bei der Facebook App wird immer höher.

Schnell mal in die Küche, Toast und Brötchen in den Ofen für das Frühstück und die Jause, ab ins Bad und Kleister ins Gesicht (die Augenringe, weil man wieder mal zu lange einen Film am iPad geschaut hat, müssen ja auch irgendwie verschwinden) und dann ab an den Frühstückstisch mit Handy in der rechten Hand (das Marmelade am Display klebt, stört jetzt gerade mal nicht).

Sch.. schon so spät, dabei hab ich gerade erst zwei Newsletter durch und den Facebook Feed konnte ich noch gar nicht durchgehen.

 

So beginnt der Tag ja mal so richtig entspannend….
Arbeitstag geschafft, ab nach Hause und etwas zu Essen machen (was nur.. schnell mal googlen).
Während das Essen langsam auftaut (räusper.. Pizza geht halt eben sehr schnell), Handy in der Hand und Facebook endlich mal durchschauen. Während dem Essen eine SMS hier, eine Whatsapp Nachricht da. Schließlich muss man ja immer wissen, was die Freund gerade machen..
Und schon ist es 20:00 Uhr und man hat eigentlich noch nicht wirklich etwas zuHause ausgerichtet.
Wäre doch auch mal schön, wenn die Wäsche gebügelt im Kasten wäre und man sich nicht nur schnell eine Bluse aus dem Wäschekorb rausfischt und schnell für morgen bügelt.

So, welche Serie wird heute noch geschaut, ich weiß doch noch gar nicht, ob Derek und Meredith sich wieder lieb haben bei Greys Anatomy und ja eigentlich wollte ich mal schauen, ob dieses Walking Dead wirklich so toll ist wie alle sagen (ist es übrigens nicht: es ist widerlich!)

Und wieder mal ist es viel zu spät geworden, ich realisiere, dass ich eigentlich noch gefühlte tausend Bilder bearbeiten sollte, aber doch nie wirklich Zeit dafür habe. Und Bloggen, ja Bloggen sollte ich doch eigentlich auch wieder mal, aber wann denn? Die Zeit ist viel zu knapp.
Weils jetzt aber eh schon so spät ist, lieber noch mal schnell auf Facebook schauen was es so Neues gibt. Immerhin hat man hier auch 394098409 Seiten geliked, die immer wieder tolle Bilder reinstellen und Artikel posten, die man ja auch noch lesen muss.

Aber jetzt mal entspannt (ja klar), die Augen zumachen und schlafen, morgen ist ja auch noch ein Tag.

 

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Erkennt ihr Euch in dem Muster auch wieder?

Ich stelle in letzter Zeit immer öfter fest, dass ich mich nicht mehr konzentrieren kann, wenn ich ein Buch lese, weil es ständig piepst oder weil ich mal kurz schauen muss, ob jemand etwas Neues auf Facebook gepostet hat, oder wer mir denn jetzt eine Nachricht geschrieben hat.

Das drumherum nimmt man heutzutage gar nicht mehr wahr.
Wieviele Bücher hab ich mir 2015 schon gekauft, die im Internet empfohlen wurde, die ich aber noch nicht gelesen habe, weil ich keine Zeit hatte. Schließlich muss ich ja gerade surfen und schauen, was noch lesenswert ist oder ob die Freundin mit der Babykatze wieder ein Bild gepostet hat.

AUS, SCHLUSS, ENDE!

 

Irgendwann reichts.

Die Facebook App wird gelöscht (es fühlt sich besser an, als es klingt)
Die Email Nachrichten werden nicht mehr in den Benachrichtigungen angezeigt, nur wenn man das App anklickt (man vergisst dann nämlich darauf und klickt nicht alle 20 min darauf) Die Newsletter werden automatisch in einen eigenen Ordner verschoben, den man extra anklicken muss. Und nach einer Woche automatisch gelöscht (können ja nicht soo wichtig sein).
Und ab 18:00 Uhr, wird das WLAN in der Wohnung ausgesteckt und am Handy die mobilen Daten deaktiviert.

Wieviel Freizeit sprich freie Zeit, man dadurch gewinnt ist unvorstellbar.
Eine Stunde ist plötzlich eine Stunde und nicht mehr, ein Newsletter, der Facebook Stream und eine Serie. Und dieses Buch, dass schon seit Jänner neben mir liegt, ist ja wirklich toll, wenn man es liest ohne ständig zu unterbrechen, wegen einer Whatsapp Nachricht.

 

Uns muss einfach wieder bewusst werden, wie wertvoll unsere Zeit ist und wie sinnlos wir sie oft nutzen.
Wenn wir das einsehen und ein paar Kleinigkeiten ändern bzw. anders einteilen, kommt die Konzentration wieder zurück und auch die innere Gelassenheit.

Dieser Artikel wurde im Übrigen verfasst mit ausgeschaltetem WLAN und das Handy befand sich in einem anderen Raum. (auch eine gute Taktik btw)

In diesem Sinne, geht raus an die frische Luft und lasst das Internet, Internet sein.