Kategorie-Archiv: Tierfotografie

Tierfotografie – Wie geht was?

Heute gibt es etwas ganz Tolles für Euch und zwar hat der liebe Josef von Joes-Foto einen Gastartikel geschrieben zum Thema „Tierfotografie“

Auf los geht’s los:

„Ich möchte versuchen einen kleinen Exkurs in die Tierfotografie zu machen. Dieser soll dem Anfänger einige Tipps geben.

Für den Fortgeschrittenen ist sicher das eine oder andere ein „alter Hut“.

Erst einmal muss man sich die verschiedenen Bereiche der Tierfotografie vor Augen halten. Es geht von der Makro Fotografie bis zum Fotografieren sich schnell bewegenden  Tieren.

Viele interessante Motive aus dem Tierbereich findet man bei uns vor der Türe, im Zoo, im Wildgehege oder einfach auf der Straße.Wer mag kann natürlich auch in ferne Länder reisen um exotische Tiere ab zu lichten.Und vor allen Dingen muss man immer die Augen offen halten und viel Geduld haben.

Karin Nagl Fotografie Fotoskript Tierfotografie wie geht das

Was benötige ich denn nun?
Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten.  Je nach Vorliebe, ist für die unterschiedlichen Motive eine sehr unterschiedliche Ausrüstung von Nöten.

Fangen wir mal bei der Makrofotografie an. Grundvoraussetzung ist ein stabiles, das meine ich auch so, Stativ. Als Optik kann man eine möglichst lange (ab 300mm) Brennweite oder besser ein spezielles Makroobjektiv einsetzten. Wer die Investitionen erst einmal scheut, kann auch mit einer achromatischen Nahlinse oder Zwischenringen experimentieren. Je nach vorhandenem Licht, kann auch ein entfesselter Blitz gute Dienste leisten. Da es draußen nicht immer windstill ist, sollte man daran denken zur Fixierung von Pflanzen, entsprechendeMaterialien dabei zu haben. Und nochmals, man benötigt jede Menge Geduld.

Bei größeren Tieren benötigt man wiederum ein Teleobjektiv. Hier bieten sich Optiken ab ca. 200 mm an. Richtig Spaß macht es sicherlich ab 300mm Brennweite. Aber auch hier sind die Motive ausschlaggebend. Ich fotografiere Outdoor z.B. Hundeturniereüberwiegend mit 200 mm Brennweite und einer Anfangsöffnung von f:2,8. Hiermit hat man, leicht abgeblendet, ausreichend kurze Belichtungszeiten bei sich schnell bewegenden Motiven.

Brennweiten über 300 mm mit hohen Lichtstärken gehen direkt ins Geld, sind aber bei größeren Abständen zum Motiv oftmals unvermeidbar.

Telekonverter sind nur eingeschränkt verwendbar, da neben dem Lichtverlust auch ein Qualitätsverlust sichtbar ist. Wenn man sich das Gewicht längerer Optiken vor Augen hält, sieht man auch hier den Bedarf nach einem entsprechenden Stativ. Moderne Optiken mit Verwacklungsschutz lassen jedoch bis zu einem gewissen Grad auch Aufnahmen aus der Hand zu.

Was macht ein gutes Tierfoto aus?

Es soll ja ein ausdrucksvolles Foto werden und nicht nur ein Schnappschuss. Eigentlich klar, aber nicht ganz einfach um zu setzen. Versuchen wir es einmal.

Der Focus sollte bei Tierfotos möglichst immer auf den Augen liegen. Augen sind, wenn sie eventuell noch Lichtreflexe zeigen, ein ausdrucksstarkes Gestaltungsmittel. Gleichzeitig sollte man, im Rahmen der Möglichkeiten des vorhandenen Lichts, die Blende so wählen, dass eine ausreichende Tiefenschärfe vorhanden ist.

Hiermit kann man wunderbar den Hintergrund unscharf erscheinen lassen und das Hauptmotiv herausarbeiten.

Die Körperhaltung des Tieres ist ein weiterer Faktor für ein gutes Foto. Hier sollte man darauf achten das die Kopfhaltung nicht hängend oder aggressiv erscheint. Auch sind Hilfsmittel, wie Baumstämme oder Steine immer für eine gute Positionierung zu gebrauchen.

Ganz wichtig ist die Perspektive. Niemals von oben fotografieren. Gehen sie in die Hocke oder, bei kleinen Tieren, legen sie sich auf den Boden. Vorbeikommende Menschen werden es vielleicht kopfschüttelnd betrachten, aber es führt sie zu einen besseren Foto. Auch kann man bei Haustieren ihre Lieblingsspielzeuge oder Kuscheltiere etc. nutzen.

Wenn man sich im Vorfeld der Aufnahme ein wenig mit dem Verhalten des Tieres beschäftigt, kennt man bereits einige Verhaltensweisen und kann sich fotografisch darauf einstellen.DSC_4872

Wenn man dies alles berücksichtigt, kommt man dennoch nicht an den allgemeinen Regeln zum Bildaufbau vorbei.

Hier gelten
– die Drittel Regel
– der Goldene Schnitt und
– das Einbeziehen von Führungslinien.
Auch die Variation zwischen den Formaten (Hoch- und Querformat) sollte man keinesfalls außer Acht lassen.

Wie immer muss man sich einige Gedanken machen, bevor man auf den Auslöser drückt. Wie will man das Tier ablichten?

Soll es ein Porträt sein, eine Ganzkörperaufnahme, ein Ausschnitt oder eine Aufnahme in Bewegung.

Gehen wir mal in der obigen Reihenfolge vor.

Porträt

Bei einem Porträt sollten Kopf und Oberkörper das Bild bestimmen. Legen sie den Fokus auf die Augen des Tieres. Der Betrachter sollte den Eindruck haben, dass er vom Tier angeschaut wird.

Karin Nagl Fotografie Fotoskript Tierfotografie wie geht das

Ganzkörperaufnahme 

Die Ganzkörperaufnahme ist die klassische Form der Tierfotografie. Ganz wichtig ist, dass das Tier ganz auf dem Foto ist. Besonderes Augenmerk sollte auf Ohren, Schwanz und Pfoten liegen.

Fehlen diese wichtigen Körperteile, fehlt dem Betrachter immer etwas vom Tier. Wenn auch unbewusst. Sollten bei Außenaufnahmen obige Körperteile einmal verdeckt sein ist es nicht ganz so entscheidend, solange die Augen des Tieres  gut sichtbar sind.

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Sollte aus technischen Gründen oder weil störende Elemente im Bild sind, eine Ganzkörperaufnahme nicht möglich sein, kommt ein Ausschnitt in Frage. Da sie hier wesentlich Körperteile weglassen, achten sie unbedingt auf den Bildaufbau. Weniger ist oft mehr. Es ist besser z.B. eine Pfote ganz weg zu lassen als abgeschnittene Zehen zu haben. Der Betrachter sollte nie den Eindruck haben, das Körperteile „amputiert“ sind. Wichtig bei Ausschnitten ist auch die Einhaltung der Drittelregel beim Bildaufbau.

Aufnahme in Bewegung 

Bei Aufnahmen in Bewegung unterscheidet man, ob das Tier direkt auf einen zukommt, oder im Winkel vorbei läuft.

Bei frontal auf den Fotografen zukommende Tiere kann man entweder auf einen Fixpunkt scharfstellen und auslösen, wenn das Tier in diesem Punkt ist, oder aber man hat einen ausreichend schnellen Autofokus, welcher die Schärfe nachführt.

Läuft das Tier im Winkel zum Fotografen, ist ein Nachführen der Kamera unumgänglich. Der Autofokus ist in der Regel schnell genug und nicht so kritisch zu sehen.

Immer jedoch sollte man eine Belichtungszeit von min 1/1000 sek. nicht  unterschreien, da sonst das Motiv sehr leicht unscharf erscheint. Wie man schnell bemerkt, benötigt man entsprechend viel Licht, bzw. Optiken mit hoher Anfangslichtstärke. Dieses Manko kann man heute, bei modernen Kameras mit der Erhöhung der ASA-Einstellung auf 400-800 ASA verbessern. Lieber ein wenig Rauschen im Foto, als Bewegungsunschärfe.

Vorteilhaft, wenn die Kamera Serienbilder schießen kann.  4-6 Bilder/sek. sollten es schon sein, je mehr um so besser. Nutzen Sie die Funktion und sie werden sich wundern, welche tollen Ergebnisse sie erreichen. Viele gute Tierfotos wurden so gemacht.

DSC_5452 Karin Nagl Fotografie Fotoskript Tierfotografie wie geht das

Alles in Allem ist die Tierfotografie auch körperlich recht anspruchsvoll. Die Teleobjektive wollen getragen werden und es ist auf die Dauer doch recht anstrengend und ermüdend. Deshalb sollte man, gerade wenn man auf eine gute Gelegenheit für ein Foto wartet, ein Stativ zur Hilfe nehmen. Als sehr angenehm hat sich für mich die Verwendung eines Einbeinstativ herausgestellt.

Wichtig ist ein guter, leicht am besten mit einer Hand zu bedienender Stativkopf mit sogenannter Friktion. Hier gibt es diverses von den bekannten Herstellern (Novoflex, Gitzo etc.)

Ebenso wichtig ist die Schnellwechselplatte, mit der Kamera und Optik auf dem Stativkopf befestigt werden. Sie sollte ausreichend stabil und schnell zu lösen sein.

 All das Genannte funktioniert nur mit etwas nicht käuflichem was da heißt Geduld, Geduld, Geduld.

Ich wünsche ihnen viel Erfolg und allzeit „gut Licht“.

 

Sollten sie weitere Fragen haben schreiben sie mir an info@joes-foto.de “

Vielen lieben Dank Josef für die ausführlichen Erklärungen!! 🙂

Josef Schmitz findet ihr hier:

Homepage: http://www.joes-foto.de/
Facebook: Joes-Foto